Generation Facebook auf dem Augustinerplatz Freiburg

Augustinerplatz FreiburgMittwochabend in der Freiburger Innenstadt. Ganz überrascht entdecke ich auf dem Pflaster fröhliche “google-Kreise”: Studenten, Schüler, Auszubildende – bunt gemischt in kleinen Runden. Der geschätzte Altersdurchschnitt 17 bis 22 Jahre. Verwundert reibe ich die Augen. Von dieser Seite kenne ich meine “badische Heimatstadt” noch nicht. Sicher die Badener sind gesellig, feiern gerne mal auf “Hocketse”, lokalen Wein- und Feuerwehrfesten. Doch häufig treffen sich die “Best Agers” jenseits der 50 beim Plausch.

Interaktion wie auf der “spanischen Treppe”

Dass sich die Generation Facebook ganz zwanglos auf dem Augustinerplatz Freiburg trifft, ist für mich neu. Im Gegensatz zu den “Silver Agers” brauchen sie keine Bierbänke auch auch keine Blaskapelle. Sie chatten an diesem Abend nicht virtuell, sondern live und in Farbe. So ganz traue ich meiner Wahrnehmung nicht: Viele Jugendliche, die ich seit einigen Jahren beobachte, sind bei Treffen meist “online”, zwar körperlich anwesend, aber nur partiell am Gespräch beteiligt. Doch hier in Freiburg ist es anders. Meine Kurzstatistik: Von 10 Jugendlichen in einer Runde checkt nur einer schnell sein Smartphone – alle anderen sind voll präsent, diskutieren und lachen in der Runde.

Ich bin wirklich überrascht, so entspannt, hunderte von Jugendlichen zu beobachten:Was bei den Römern die “spanische Treppe” scheint bei den Schwarzwäldern der Augustinerplatz zu sein. Richtig neugierig, will ich diesem Phänomen auf die Spuren kommen und spreche einige Gruppen an. Mein Interesse wird positiv aufgenommen, schnell bin ich mit einigen im Gespräch. Ich will wissen, ob die Treffen vorab in den sozialen Netzwerken abgesprochen werden. Klare Antwort: Nein, man geht einfach hin und schaut wer da ist.

Neue sind schnell willkommen

Aus meiner Generation kenne ich viele, die in fremden Menschengruppen immer nach bekannten Gesichtern suchen. Doch auch das scheint hier anders zu laufen. Antwort: Die Gruppen bilden sich ganz organisch, viele kennen sich nicht, Neue sind schnell willkommen.

Mir scheint dies ein Vorteil der Uni-Stadt Freiburg zu sein: Wo ohnehin alle aus fremden Städten kommen, sind die Startchancen für einen Smalltalk für alle gleich. Hinzu kommt ein Standort-Vorteil, warum sich die Jugendlichen gerade diesen Platz ausgesucht haben, wie zwei junge Männer betonen: Links ein Biergarten, rechts eine öffentliche Toilette.

Was passiert mit der Toleranz-Säule?

Zudem hat sich eine Mikro-Ökonomie entwickelt: Zwei ältere Männer haben auf ihren Fahrrädern einen mobilen Getränke-Verkauf gestartet: Bierkiste auf den Gepäckträger und los geht es. Gleichzeitig sammeln Jugendliche die Flaschen wieder ein und profitieren vom Pfand. Ergebnis: Der Platz müllt nicht zu.

Bleibt noch das Thema: Anwohner. An diesem Abend ist eine fröhliche, aber nicht laute Stimmung auf dem Platz, niemand grölt rum. Dennoch hat die Stadt mittlerweile einen Toleranz-Meter installiert, der ab 23 Uhr auf Rot geht, wenn die Stimmung zu laut wird. Letzte Frage: Was passiert dann, wenn die “Säule der Toleranz” reagiert? Kurzes Nachdenken – dann die Antwort: Wenn das passiert, legt der Platz eine kurze “Gedenkpause” ein… und feiert einfach weiter.

 

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